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Glasgemälde der Pfarrkirche
Glasgemälde 1Die gotischen Kirchen des Hohen Mittelalters wollten mit der Farbenglut ihrer Fenster das „aus Edelsteinen erbaute himmlische Jerusalem“ (Apk 21,9-21) darstellen. So ist der Chor zu einem farben- und formenreichen Querschnitt durch die Heilsgeschichte geworden, als Ort undurchschaubaren Geheimnisses mit Absicht dunkler gehalten. Dagegen ist das Kirchenschiff eine festlich lichte Halle; nur im Masswerk der Fenster deuten sich Symbole und Farben der Chorgemälde an und bilden einen farbigen Rahmen um den ganzen Raum.
 
Die Glasgemälde wurden 1965/66 nach den Entwürfen von Martin Häusle aus Feldkirch gestaltet. Da er am Karsamstag 1966 unerwartet starb, konnte er nur einen kleinen Teil selber ausführen, nämlich das Rundfenster mit dem Dreifaltigkeitssymbol und die Fenster in der Seitenkapelle. Die Ausführung der anderen Fenster geschah durch seine Tochter Margarethe.
 
Gemeinsames aller Fenster
Hoch droben breitet sich die Welt der Engelwesen aus, nicht nur in Menschengestalt, auch als unfassbare Cherubim und Seraphim, Symbole kosmischer Kräfte, ja sogar rätselhafter Räder mit zahlreichen Augen, die vom Propheten Ezechiel in visionärer Schau als lebendiger Thronwagen Gottes gesehen wurden. (Ez 1,4-28). Die Fenster sind von unten nach oben zu betrachten; das entspricht der Gotik, die nach oben weisst.
 
Das Mittelfenster- Schöpfungsfenster
Meerestiere tummeln sich im Wasser; Wald und Feld sind belebt vom Wild; Haustiere weiden. Höher steht der Mensch in seiner Welt als Herr der gesamten Schöpfung, d.h. als Heger und Pfleger seiner Mitgeschöpfe, denn „Herr“ hat die gleiche Wurzel wie das Wort „hehr“. Über allem leuchtet in dem einst Gott zugeordneten Blau das zeichenhafte Dreieck-Symbol der allerheiligsten Dreifaltigkeit, die kein Menschenauge je zu schauen vermag.
 
Das Fenster zur Rechten – Neue Schöpfung in Christus
Hier fällt gleich der Lobgesang der drei Jünglinge im Feuerofen auf, wie das Buch Daniel ihn überliefert hat (Dan 3,51-90). Es werden darin alle sichtbaren und unsichtbaren Geschöpfe aufgerufen, Gott zu preisen.
Auf Christus hin dürfen wir die Bilder dieses Fensters deuten:
  • Jona im Bauch des Fisches- Vorausbild der Grabesruhe Jesu (Mt 12,40),
  • das Opfer des Melkisedek – Vorausbild der Eucharistie (Gen 14,18)
  • das erste Wunder Jesu bei der Hochzeit in Kana, durch das er seine Herrlichkeit offenbart hat und die Jünger zum Glauben an ihn gekommen sind (Jo 2,11)
  • der Rebstock als Zeichen der Verbundenheit mit Jesus (Jo 15, 5-7)
Das Fenster zur Linken – Gefährdung der Schöpfung
In seiner Freiheit kann der Mensch sich von Gott absondern, „absondern“ und „sündigen“ haben dieselben Wortwurzeln. Die Stammeltern werden aus dem Paradies vertrieben, die Sintflut rafft ein gottloses Geschlecht hinweg, der Kosmos wird zum Chaos. Nach der Katastrophe dankt der gerechte Noah mit einem Opfer für das überleben. Wo der Mensch sich nicht nach Gottes Gebot richtet, richtet er sich selbst und richtet die Welt zugrunde. Die Posaune des Gerichts wird geblasen (Apk 8,66)
 
Das nächste Seitenfenster- Apokalyptisches Fenster
Es zeigt die apokalyptischen Reiter, die Krieg, Entbehrung, Krankheit und Tod versinnbildlichen (Apk 6,1-8). Darüber schweben zwei der sieben Engel, die die Schalen des Zornes auf die Erde giessen (Apk 16,1). Die Flammen vom Himmel und aus der Tiefe verzehren Sodom – Vorzeichen jenes Tages, an dem Christus wiederkommt, „die Welt zu richten durch das Feuer“ (Requiem: Libera). Engel mit Posaunen  des Gerichts stehen bereit, immer werden jedoch Gerechte sein: Von seinem Feld weg trägt ein Engel den frommen Habakuk samt Proviantkorb nach Babylon zu Daniel, der in der Löwengrube hungert (Dan 14,31-39). Der Prophet Elija fährt nach einem wahrlich dramatischen Leben mit dem Feuerwagen zum Himmel empor. (2 Kon 2,11)
 
Das dreiteilige Seitenfenster – Gerichtsfenster
Die Gestalt des göttlichen Richters thront majestätisch mit durchdringendem Blick, Gerichtsposaunen erschallen, Blitze zucken, der Erzengel Michael hält die Waage, Gebäude stürzen ein – wir haben hier keine bleibende Stadt (Hebr 13,14), Verworfene taumeln in den Abgrund, die Seligen entschweben lächelnd ins himmlische Paradies. Man sieht sie im Reigen tanzen, singen, sich liebend umarmen. Alles, was der Mensch an Glück, Liebe und Jubel in seiner irdischen Existenz erleben kann, wird in das Unendliche gesteigert und zu jenem atemberaubenden Jubel gehören, wenn er Gott in einem neuen Himmel und einer neuen Erde schauen darf (Apk 21.4).
 
Das kleine Chorfenster
Es zeigt über der Sakristei die vier grossen Propheten Jesaja, Jeremia, Ezechiel und Daniel.
 
Die Fenster der Seitenkapelle
Die Seitenkapelle ist ganz im Dämmerschein gehalten.
  • Der Abgrund lag im Finstern, als der Geist Gottes über die Urflut schwebte und schöpferische Ordnung ins „Tohuwabohu“ brachte.
  • Nacht war es, als die Israeliten hinter den mit Blut gezeichneten Haustüren das Osterlamm hastig verzehrten und auszogen durch das Rote Meer.
  • Der Ostermorgen dämmerte erst, als Christus mit verklärtem Leib aus dem versiegelten Grab erstand. Die entflohenen Wächter haben ihr Feuer hinterlassen; noch ragen drei Kreuze auf dem nahen Galgota. Dahinter erkennt man weitere Grabzeichen: Von nun an ist der Tod überwunden: Im Kreuz ist Heil!
Das Fenster über dem Hauptportal
Wer unsere Kirche durch das Hauptportal verlässt, wird noch zu dem Bild aufschauen, wo Mose vor dem brennenden Dornbusch, überwältigt von der Majestät Gottes, daliegt und seine Sendung empfängt (Ex 3,2). Mit einem Auftrag Gottes werden auch Christ und Christin vom Gottesdienst in ihre Welt entlassen.
 
Glasgemälde 2   
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